Um STEP 7 auf TIA Portal zu migrieren, brauchen Sie ein konsistentes Projekt ab STEP 7 V5.4 SP5, beide Softwarestände mit gültigen Lizenzen und einen Plan für alles, was nicht automatisch mitkommt. Die eigentliche Migration erledigt das TIA Portal selbst oder das Migrationstool von Siemens. Scheitern tut sie fast immer an der Vorbereitung, und fertig ist sie erst nach der Nacharbeit.

Dieser Beitrag behandelt den Softwareteil: den Weg vom SIMATIC Manager ins TIA Portal. Ob danach die Hardware auf eine S7-1500 wechselt, ist eine zweite Entscheidung, die wir im Beitrag S7-300 Migration auf S7-1500 beschreiben. Viele Betreiber gehen bewusst in zwei Schritten vor: erst das Projekt ins TIA Portal holen und auf der bestehenden S7-300 weiterbetreiben, dann die Hardware tauschen, wenn das Stillstandsfenster passt. STEP 7 Professional im TIA Portal kann dafür laut Siemens alle Generationen von SIMATIC-Steuerungen projektieren.

STEP 7 auf TIA Portal migrieren: die Voraussetzungen

Siemens fasst die Bedingungen im Leitfaden zur Migration von S7-300/S7-400 nach S7-1500 zusammen. Der Leitfaden stammt von 2017 und bezieht sich auf TIA Portal V13 SP1, die Grundregeln gelten aber unverändert. Prüfen Sie für Ihre Version zusätzlich die aktuellen Hinweise, die Siemens auf der Themenseite Migration von Anlagen mit SIMATIC bündelt, darunter das Migrationstool und das Readiness Check Tool.

  • Versionsstand: Migrieren lässt sich ein Projekt erst ab STEP 7 V5.4 SP5. Ältere Projekte öffnen Sie vorher mit V5.4 SP5 oder höher und führen eine Konsistenzprüfung samt Übersetzung durch.
  • Lizenzen: STEP 7 V5.x und das TIA Portal müssen installiert und lizenziert sein, für einen WinCC-flexible-Anteil ebenso beide HMI-Stände. Jede weitere lizenzpflichtige Option im Projekt braucht ebenfalls eine Lizenz.
  • Projektstruktur: Multiprojekte lassen sich nicht als Ganzes migrieren, nur die einzelnen Projekte.
  • Fremde Stationen: Soll nur der STEP-7-Teil migriert werden, entfernen Sie WinCC-flexible- und WinCC-Stationen vorher aus einer Kopie des Projekts.
  • Meldenummern: Ist das Meldenummernverfahren projektweit eingestellt, bricht die Migration ab.
  • Konsistenz: Das Ausgangsprojekt muss konsistent sein. Ein Projekt, das zuletzt mit Fehlern gespeichert wurde, ist der häufigste Grund für einen Abbruch.

Ein Punkt überrascht viele: Die Hardwarekomponenten im TIA Portal unterliegen laut Siemens einem Stichtag. Baugruppen, die am 1. Oktober 2007 nicht mehr freigegeben waren, sind nicht enthalten. Das Readiness Check Tool zeigt vorab, welche Komponenten betroffen sind. Meist lässt sich die Baugruppe noch in STEP 7 V5.x auf einen Nachfolger umstellen. Geräte, die per GSD-Datei eingebunden sind, migrieren laut Leitfaden in jedem Fall, weil die GSD-Dateien automatisch installiert werden.

Zwei Wege: im TIA Portal oder mit dem Migrationstool

WegWann sinnvollErgebnis
Migration im TIA PortalSTEP 7 V5.x und TIA Portal auf demselben RechnerProjekt direkt im TIA Portal
MigrationstoolSTEP 7 V5.x auf einem anderen Rechner, etwa einem alten Feld-PGZwischendatei, die im TIA Portal geöffnet wird

Beim Migrationstool wählen Sie das Quellprojekt und einen Zielpfad für die Zwischendatei. Mit der Option, Hardware- und Netzwerkdaten einzuschließen, migrieren Sie mehr als nur die Software. Ohne diese Option kommt nur das Programm. Das ist nützlich, wenn die Hardware ohnehin neu geplant wird. Die Zwischendatei kopieren Sie auf den Rechner mit TIA Portal und öffnen sie dort.

TIA Portal Migration und Hochrüstung – wichtige Punkte vor dem Upgrade

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Worauf Sie vor der Migration eines STEP-7-Projekts ins TIA Portal achten sollten.

Sicherheitsprogramme: Signatur behalten oder neu übersetzen

Projekte mit fehlersicherer CPU lassen sich wie Standardprojekte migrieren. Wird nicht neu übersetzt, bleiben laut Siemens die Programmstruktur aus Distributed Safety und die Gesamtsignatur erhalten, und ein mit Distributed Safety V5.4 SP5 erstellter Abnahmeausdruck behält seine Gültigkeit. Erst eine Übersetzung mit STEP 7 Safety erzeugt neue Programmstrukturen und eine neue Gesamtsignatur, und dafür ist das Passwort des F-Programms nötig.

Für die Praxis heißt das: Bleibt die Hardware zunächst gleich, migrieren Sie das Sicherheitsprogramm ohne Übersetzung und lassen es unangetastet. Wechselt die CPU auf eine S7-1500, ändern sich laut Leitfaden unter anderem Namen und Nummern der F-Peripherie-DBs, und Verwendungsstellen müssen von Hand angepasst werden. Dann ist eine neue Abnahme der Sicherheitsfunktionen fällig. Was die Maschinenverordnung ab 2027 dazu verlangt, steht im Beitrag Software als Sicherheitsbauteil.

Was nach der Migration noch zu tun ist

  1. Übersetzungsmeldungen auswerten: jede Warnung bewerten, nicht nur die Fehler.
  2. Online-Vergleich: Programmstand im TIA Portal mit dem Stand in der laufenden CPU vergleichen, bevor irgendetwas geladen wird.
  3. Bibliotheken prüfen: Bausteine aus Fremd- oder Masterbibliotheken, Know-how-geschützte Bausteine und Optionspakete wie S7-GRAPH oder SCL-Quellen kontrollieren.
  4. HMI separat behandeln: WinCC flexible wird zu WinCC im TIA Portal. Bildobjekte, Skripte und Meldungen brauchen eine eigene Prüfung.
  5. Archivieren und dokumentieren: altes STEP-7-Archiv, Migrationsprotokoll und neues TIA-Archiv gemeinsam ablegen.
Steuerpult einer Seilbahnstation mit Touchpanel, Tastenfeld mit Not-Halt und Telefonen
Ein Touchpanel am Bedienpult: Die Bedienoberfläche migriert getrennt vom SPS-Programm. Skripte und Meldungen brauchen eine eigene Prüfung.

Für die Bedienoberfläche lohnt ein eigener Blick auf die Nachfolger der älteren Panels. Den Weg beschreiben wir im Beitrag HMI-Migration auf WinCC Unified. Beim Programm selbst ändert die reine Migration wenig: AWL bleibt AWL, Bausteine behalten ihre Nummern, und das Verhalten auf der S7-300 bleibt gleich. Die großen Änderungen kommen erst beim Wechsel auf die S7-1500.

Ein typischer Projektverlauf

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Verpackungslinie mit drei S7-300 und einem Multiprojekt aus dem Jahr 2009. Zuerst wird das Multiprojekt aufgeteilt, jede Station einzeln übersetzt, eine veraltete Kommunikationsbaugruppe in STEP 7 V5.5 auf ihren Nachfolger umgestellt. Danach läuft die Migration in wenigen Minuten. Die eigentliche Arbeit liegt in den zwei Tagen davor und in der Nacharbeit danach: Meldungen bewerten, Online-Vergleich, HMI prüfen. Der Umbau auf S7-1500 folgt ein halbes Jahr später im geplanten Sommerstillstand.

Selbst machen oder vergeben?

Für ein einzelnes, gut gepflegtes Projekt ist die Migration mit eigenen Leuten gut machbar. Bei vielen Stationen, Sicherheitsprogrammen oder unklaren Projektständen lohnt ein externes Arbeitspaket. Wartens migriert STEP-7-Projekte ins TIA Portal und auf Wunsch auf die S7-1500, testet den Code und liefert Testprotokolle. Die Umstellung vor Ort übernimmt Ihr Team oder ein lokaler Partner mit unserer Remote-Unterstützung. Details unter Automatisierungs-Engineering.

Nächster Schritt: Schicken Sie uns ein STEP-7-Archiv und die Liste der eingesetzten Optionspakete. Wir prüfen die Migrationsfähigkeit und nennen Umfang und Festpreis. Kontakt aufnehmen.