Die HMI-Migration auf WinCC Unified steht für viele Maschinenbauer und Betreiber jetzt an, weil Siemens die bisherigen Panel-Generationen schrittweise aus dem Programm nimmt. Unified ist dabei kein Update, sondern ein neu entwickeltes Visualisierungssystem auf Basis von Webtechnik. Ein Projekt lässt sich deshalb nicht einfach umschalten. Mit einer guten Vorbereitung bleibt der Aufwand aber überschaubar.

Welche Panels auslaufen

Siemens hat im Support-Portal eine Produktmitteilung zur Statusänderung für SIMATIC-HMI-Produkte veröffentlicht (Stand August 2026). Die wichtigsten Termine:

DatumMeilensteinBetroffene Geräte (Auszug)
31.01.2026P.M400 AuslaufankündigungComfort Panels KP400 bis TP1200, Comfort PRO TP1200 bis TP2200
01.10.2026P.M400 AuslaufankündigungKP300 und KP400 Basic
01.10.2026P.M490 ProduktabkündigungKTP400/600 Basic 1. Generation, OP/TP/MP x77, Mobile Panel 177/277

P.M400 bedeutet: noch bestellbar, aber der Auslauf hat begonnen. P.M490 heißt: Ende der Ersatzteilverpflichtung. Wer also noch Panels der 77er-Reihe in Betrieb hat, kann bei einem Defekt nicht mehr auf Siemens-Ersatz bauen. Die Bedeutung der Meilensteine erklären wir ausführlich im Beitrag zur S7-300 Abkündigung.

HMI-Migration WinCC Unified: wer folgt auf wen?

Siemens ordnet die Nachfolger im Leitfaden zum Umstieg auf WinCC-Unified-HMI-Geräte klar zu: Unified Comfort Panels folgen den bisherigen Comfort Panels, Unified Basic Panels den Basic Panels der zweiten Generation, und die WinCC Unified PC Runtime folgt der WinCC Runtime Advanced. Laut Siemens-Produktseite gibt es Unified Basic Panels mit 4 bis 12 Zoll und Unified Comfort Panels mit 7 bis 22 Zoll. Ein Unified Mobile Panel kündigt Siemens für die erste Hälfte 2027 an.

Für die Mechanik gibt es eine gute Nachricht: Siemens betont, dass die Unified Panels bei Abmessungen und Schnittstellen zu den Vorgängern kompatibel sind. Prüfen Sie trotzdem Einbauausschnitt, Einbautiefe und Steckerposition für jedes Gerät. Ein Schaltschrank mit knapper Tür sorgt sonst für Überraschungen.

Techniker prüft Steuerleitungen in einem geöffneten Schaltschrank mit SPS-Baugruppen
Vor dem Panel-Tausch lohnt der Blick in den Schrank: Kommunikation, Spannungsversorgung und Einbaumaße müssen passen.

Was beim Umstieg tatsächlich Arbeit macht

WinCC Unified arbeitet mit HTML5, SVG und JavaScript. Das bringt Vorteile wie Webzugriff und skalierbare Grafik, bedeutet aber auch: Skripte aus WinCC Comfort in VBScript müssen neu geschrieben werden. Dazu kommen Unterschiede bei Bildbausteinen, Rezepturen und Benutzerverwaltung. Worauf es in der Praxis ankommt:

  • Skripte sind der größte Einzelposten. Zählen Sie vor dem Angebot, wie viele VB-Skripte das Projekt enthält und was sie tun.
  • Faceplates und Bildbausteine lassen sich selten eins zu eins übernehmen. Planen Sie eine kleine Bibliothek neu, statt alte Bausteine nachzubauen.
  • Alarme und Archive brauchen eine bewusste Entscheidung, welche historischen Daten mitgenommen werden müssen.
  • Kommunikation zu Fremdsteuerungen klappt über Communication Support Packages, etwa für Modbus TCP oder EtherNet/IP. Klären Sie das früh.

Migrationsvorteile - einfach nutzen

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Siemens zeigt, welche Vorteile eine Migration der Visualisierung ins TIA Portal bringt.

Die Gelegenheit für ein besseres Bedienkonzept

Viele alte Panel-Projekte sind über Jahre gewachsen. Jede Änderung brachte ein neues Bild, eine neue Taste oder ein neues Pop-up. Das Ergebnis kennen Bediener: 60 Bilder, drei Wege zur selben Funktion und Alarmtexte, die nur der Programmierer versteht. Eine Migration auf Unified ist die beste Gelegenheit, das zu bereinigen.

Bewährt hat sich ein flaches Navigationskonzept mit einer Übersicht, wenigen Detailbildern pro Baugruppe und einheitlichen Bildbausteinen für Antriebe, Ventile und Achsen. Graue Hintergründe und Farbe nur für Zustände, die Aufmerksamkeit brauchen, erleichtern das schnelle Erfassen. Sprechen Sie vor dem Konzept mit zwei oder drei Bedienern und mit der Instandhaltung. Sie wissen genau, welche Bilder niemand nutzt und welche Information im Störfall fehlt.

Auch Alarmtexte verdienen Aufmerksamkeit. Ein guter Alarm sagt, was passiert ist, wo und was zu tun ist. Bei einer Migration lassen sich Texte zentral überarbeiten und in mehrere Sprachen übersetzen, was bei exportierten Maschinen ohnehin nötig ist.

Denken Sie auch an den Webzugriff, den Unified mitbringt. Instandhalter können Bilder im Browser öffnen, ohne zusätzliche Runtime auf dem Laptop. Das ist praktisch, muss aber ins Sicherheitskonzept passen: Benutzerrechte, verschlüsselte Verbindungen und eine klare Trennung zwischen Bedienen und Beobachten gehören vor der Inbetriebnahme festgelegt.

Realistische Zeitplanung

Für ein Comfort-Panel-Projekt mittlerer Größe mit 30 bis 50 Bildern sollten Sie mehrere Wochen Engineering einplanen, je nach Skriptanteil und Bausteinbibliothek. Der Tausch vor Ort dauert dagegen oft nur Stunden, wenn Projekt und Hardware vorher an der Simulation getestet wurden. Planen Sie zusätzlich eine kurze Einweisung der Bediener ein, denn neue Navigation und neue Bildbausteine brauchen ein paar Schichten Gewöhnung.

Lizenzen und Engineering-Umgebung

Eine gute Nachricht für die Budgetplanung: Laut der Siemens-Kampagnenseite WinCC Unified Modernize now gilt eine gültige WinCC-Engineering-Lizenz auch für das entsprechende WinCC Unified Engineering. Umgekehrt erlauben Lizenzen für WinCC Unified Engineering auch die Projektierung klassischer Basic- und Comfort-Panels. Siemens meldet WinCC Unified V21 als verfügbar (Stand Oktober 2026).

Für Maschinenbauer mit mehreren Kundenprojekten gilt: Legen Sie eine Unified-Version als Standard fest und migrieren Sie Bestandsprojekte gebündelt. Wer jedes Panel einzeln und in unterschiedlichen Versionen umstellt, verbringt mehr Zeit mit Versionsverwaltung als mit Bildern.

Unser Vorgehen in vier Schritten

  1. Analyse: Projekt mit dem Modernisierungsprüfer auswerten, Skripte und Sonderfunktionen zählen, Einbaumaße prüfen.
  2. Konzept: Bildstruktur, Navigationskonzept und Bausteinbibliothek festlegen. Hier lohnt es sich, Bedienlogik zu vereinfachen, statt alte Umwege zu kopieren.
  3. Umsetzung: Bilder, Alarme, Rezepturen und Benutzerverwaltung aufbauen, Skripte in JavaScript neu schreiben.
  4. Test: HMI gegen die simulierte Steuerung mit PLCSIM Advanced testen, bevor das Panel getauscht wird.

Oft fällt die HMI-Migration mit einer Steuerungsmigration zusammen. Dann gehört beides in ein Projekt, weil Variablennamen und Strukturen sich ohnehin ändern. Den Steuerungsteil beschreiben wir im Beitrag zur S7-300 Migration auf S7-1500.

Wartens übernimmt HMI-Migrationen als Teil eines festen Arbeitspakets im Automatisierungs-Engineering, mit Testprotokoll. Nächster Schritt: Senden Sie uns Ihr WinCC-Projektarchiv, wir melden uns mit Aufwandsschätzung und Festpreis. Kontakt.