Eine S7-400 Migration ist keine Pflichtübung wie bei der S7-300, sondern eine Abwägung. Siemens bezeichnet die S7-400 auf der Produktseite weiterhin als Hardware-Rückgrat des Prozessleitsystems PCS 7 und verspricht langfristige Investitionssicherheit. In der Fertigungsautomatisierung sieht die Rechnung aber oft anders aus: Wenn die S7-400 in einer Maschine oder Linie mit TIA-Portal-Umgebung steckt, sprechen Engineering-Aufwand, Ersatzteilmix und Netzwerkkonzept für die S7-1500.

S7-400 Migration: Fertigung und Prozessleittechnik getrennt betrachten

Die wichtigste Unterscheidung ist der Einsatzort. In PCS-7-Anlagen der Chemie, Pharma oder Wasserwirtschaft ist die S7-400 beziehungsweise S7-410 fest im Leitsystem verankert. Hier bestimmt die PCS-7-Version den Takt. Das aktuelle SIMATIC PCS 7 V10.0 wirbt mit NIS2-konformen Sicherheitsfunktionen und MTP-Integration. Eine Migration ist dort ein Leitsystemprojekt, kein reiner Steuerungstausch.

In der Fertigung steckt die S7-400 dagegen häufig in großen Linien, Pressenstraßen oder Fördertechnik, weil Anfang der 2000er-Jahre die Leistung einer S7-300 nicht reichte. Diese Anlagen laufen meist noch mit STEP 7 V5.x. Hier ähnelt die Migration stark der S7-300 Migration auf S7-1500, nur mit größeren Programmen und mehr Kommunikation.

KriteriumFertigung (STEP 7)Prozess (PCS 7)
Typisches ZielS7-1500, ggf. S7-1500 R/Hneue PCS-7-Version oder PCS neo
TreiberEngineering-Umgebung, Ersatzteile, NetzwerkLeitsystem-Lebenszyklus
ProjektformSteuerungsmigrationLeitsystemmigration
TestansatzSimulation der MaschineSimulation mit Prozessmodell

Hochverfügbarkeit: von S7-400H zu S7-1500 R/H

Viele S7-400 sind als H-System im Einsatz, also mit zwei redundanten CPUs. Für diese Fälle bietet Siemens die S7-1500 R/H-CPUs. Die Unterschiede sind für die Planung entscheidend:

  • R-CPUs synchronisieren über den PROFINET-Ring, der Abstand zwischen den CPUs beträgt etwa 100 Meter, die Umschaltzeit 300 Millisekunden.
  • H-CPUs nutzen Synchronisationsmodule mit Glasfaser, erlauben bis zu 40 Kilometer Abstand und schalten in 50 Millisekunden um.
  • Beide werden im TIA Portal projektiert und lassen sich mit PLCSIM Advanced simulieren. Eine Zusatzlizenz für die Redundanz ist laut Siemens nicht nötig.

Prüfen Sie vor der Wahl, was Ihr Prozess tatsächlich braucht. Eine Fördertechnik in einem Logistikzentrum kommt mit 300 Millisekunden Umschaltzeit gut aus, weil Pakete auf dem Band eine kurze Unterbrechung problemlos verkraften. Eine Feuerungsregelung oder ein Tunnel mit Lüftungssteuerung stellt höhere Anforderungen. Die Peripherie-Anbindung unterscheidet sich ebenfalls: R-Systeme brauchen einen PROFINET-Ring mit MRP, H-Systeme erlauben freiere Topologien.

Historische Siemens-SIMATIC-Leiterplatte aus den 1970er-Jahren mit Bauteilen und Steckerleiste
SIMATIC hat eine lange Geschichte. Viele Anlagen tragen Schichten aus mehreren Steuerungsgenerationen.

Was eine S7-400-Migration aufwendig macht

S7-400-Programme sind groß. Ein Projekt mit 2.000 Bausteinen, mehreren CPUs und Kommunikationsprozessoren ist keine Seltenheit. Die Aufwandstreiber sind dabei fast immer dieselben:

  • Kommunikation über CP 443-1 mit AG_SEND/AG_RECV oder S7-Verbindungen zu Nachbarsteuerungen, die alle mitziehen müssen,
  • indirekte Adressierung und AWL-Code, der auf Registerebene arbeitet,
  • Multicomputing oder mehrere CPUs im selben Rack,
  • Peripherie über PROFIBUS mit ET 200M, die selbst ausläuft,
  • Leitsystem- oder SCADA-Zugriffe per absoluter Adresse.

Der Siemens-Leitfaden zur Migration von S7-300/S7-400 nach S7-1500 betont, dass auch Teilmigrationen immer die Gesamtanlage im Blick haben müssen. Bei S7-400-Anlagen gilt das doppelt, weil die Steuerung meist das Zentrum vieler Schnittstellen ist.

SIMATIC ET 200SP HA as a successor to SIMATIC ET 200M meets highest requirements of availability

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Siemens zeigt die ET 200SP HA als Nachfolger der ET 200M in hochverfügbaren Anlagen (englisch).

Kommunikation und Netzwerk neu ordnen

Eine S7-400-Migration ist die beste Gelegenheit, das Anlagennetz aufzuräumen. Viele Altanlagen haben über die Jahre gewachsene Strukturen: Ein CP für das Leitsystem, ein zweiter für die Nachbarlinie, dazu ein Fernwartungsrouter, der irgendwann einmal eingebaut wurde. Mit der S7-1500 können Sie PROFINET, OPC UA und Webserver direkt an der CPU nutzen und die Kommunikation über getrennte Schnittstellen führen.

Planen Sie dabei gleich ein Zonenmodell, wie es die IEC 62443 vorsieht: Feldebene, Steuerungsebene und Leitebene getrennt, Übergänge über definierte Firewalls. Wer ohnehin unter NIS2 fällt, spart sich so einen zweiten Umbau. Mehr dazu im Beitrag IEC 62443 Zonen und Conduits. Ersetzen Sie außerdem S7-Verbindungen mit absoluter Adressierung durch klar dokumentierte Schnittstellen-Datenbausteine. Das macht spätere Änderungen an einer Seite der Schnittstelle deutlich einfacher.

Ein Wort zur Fernwartung: Die Migration ist auch der richtige Moment, alte Modem- oder VPN-Lösungen zu ersetzen, die niemand mehr pflegt. Ein dokumentierter, protokollierter Fernzugang mit Freigabe durch den Betreiber gehört heute zum Standard.

Unser Entscheidungsweg in fünf Fragen

  1. Läuft die S7-400 unter PCS 7 oder unter STEP 7? Bei PCS 7 entscheidet die Leitsystemstrategie.
  2. Welche Peripherie hängt daran, und wie ist deren Lebenszyklusstatus?
  3. Wie viele Schnittstellen zu anderen Steuerungen und Systemen gibt es, und wer betreut diese?
  4. Ist Redundanz wirklich gefordert, und welche Umschaltzeit verträgt der Prozess?
  5. Wann gibt es ein Stillstandsfenster, das lang genug für Umbau und Inbetriebnahme ist?

Den Stillstand rückwärts planen

Legen Sie zuerst das Stillstandsfenster fest und planen Sie davon rückwärts. Vier Wochen vorher sollte die migrierte Software die Simulation vollständig bestanden haben, zwei Wochen vorher steht die neue Hardware geprüft im Lager, und für den Umbau selbst gibt es einen Ablaufplan mit Rückfallpunkt. Wenn am Sonntagabend etwas nicht läuft, muss klar sein, wer entscheidet, ob die alte Steuerung wieder eingebaut wird. Halten Sie dafür die alte CPU, die alte Speicherkarte und die Originalverkabelung bis zur erfolgreichen Produktion bereit.

Testen an der virtuellen Anlage

Bei großen Programmen ist ein Test an der Simulation keine Kür. Wir testen migrierte Programme mit PLCSIM Advanced und einem Anlagenmodell, das Sensoren, Antriebe und Nachbarsteuerungen nachbildet. Fehler in Schrittketten und Verriegelungen fallen dann am Schreibtisch auf und nicht im Stillstandsfenster. Mehr dazu im Beitrag zur virtuellen Inbetriebnahme und auf unserer Seite zu digitalen Zwillingen.

Nächster Schritt: Schicken Sie uns die Hardwarekonfiguration und eine Übersicht der Kommunikationsbeziehungen. Wir sagen Ihnen, ob sich eine Migration auf S7-1500 oder S7-1500 R/H anbietet, und nennen Umfang und Festpreis für das Engineering. Zum Kontakt.