KI für die SPS-Programmierung gibt es heute in zwei Formen: als Assistent des Steuerungsherstellers, der tief in dessen Engineering-Werkzeug sitzt, und als herstellerneutrales Werkzeug wie LADX, das über Plattformgrenzen hinweg arbeitet. Welche Variante passt, hängt weniger von der KI ab als von Ihrem Anlagenpark. Wer nur Siemens programmiert, ist mit dem Siemens-Assistenten gut bedient. Wer in derselben Woche eine S7-1500, eine ControlLogix und eine CODESYS-Steuerung betreut, braucht etwas anderes.

Wir beschreiben in diesem Beitrag, was die Hersteller-Assistenten heute leisten, wie LADX als Werkzeug der Wartens-Gruppe anders vorgeht und welche Fragen Sie klären sollten, bevor generierter Code in die Nähe einer Maschine kommt.

Was die Assistenten der Hersteller leisten

Alle drei großen Anbieter im deutschen Maschinenbau haben generative KI in ihr Engineering gebracht. Siemens bietet einen KI-Assistenten an, der mit dem lokalen TIA Portal verbunden ist. Bekannt wurde er als Industrial Copilot, auf der Siemens-Xcelerator-Produktseite firmiert er inzwischen als Eigen Engineering Agent. Siemens nennt dort unter anderem das Erzeugen und Anpassen von SCL- und KOP-Code, Testlogik, das Beheben von Übersetzungsfehlern und JavaScript für WinCC Unified.

Rockwell Automation hat in die browserbasierte Umgebung FactoryTalk Design Studio einen generativen KI-Copilot integriert, der laut Produktseite Code erzeugt, Projektelemente erklärt und bei der Fehlersuche hilft. Beckhoff hat bereits im April 2023 den TwinCAT Chat Client für TwinCAT XAE vorgestellt, der Sprachmodelle wie ChatGPT über das Automation Interface an die Entwicklungsumgebung anbindet.

AnbieterAssistentUmgebungStärke
SiemensKI-Assistent für das TIA PortalTIA Portal (lokal)kennt Projektstruktur, Hardware und WinCC Unified
RockwellCopilot in FactoryTalk Design StudioBrowser, CloudLogix-Projekte, Codeerklärung
BeckhoffTwinCAT Chat ClientTwinCAT XAE (Visual Studio)Funktionsbausteine, Refaktorierung
LADXChat, Convert und acht weitere WerkzeugeBrowser oder LADX Studioherstellerneutral, Compiler im Kreislauf

Der Vorteil der Hersteller-Assistenten ist offensichtlich: Sie sehen das komplette Projekt, die Hardwarekonfiguration und die eigenen Bibliotheken. Ein Siemens-Werkzeug kennt die Systembausteine der S7-1500 besser als jedes neutrale Werkzeug. Die Kehrseite ist ebenso klar. Jeder Assistent hilft beim Programmieren der eigenen Plattform, und das ist auch sein Auftrag.

Industrial Copilot Engineering: Siemens introduces generative AI-powered product for the industry

Siemens Knowledge Hub

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Siemens stellt seinen KI-Assistenten für das Engineering im TIA Portal vor (englisch).

Herstellerneutrale KI für die SPS-Programmierung: der Ansatz von LADX

LADX richtet sich an Systemintegratoren, Dienstleister und Instandhaltungsabteilungen, deren Anlagen über zehn oder mehr Jahre bei verschiedenen Herstellern gekauft wurden. Das Werkzeug gehört dem Ingenieur, nicht der Hardware. Der entscheidende Unterschied liegt aber nicht in der Neutralität, sondern darin, wie generierter Code geprüft wird. Ein Sprachmodell kann Code schreiben, der wie KOP aussieht. Das reicht nicht, wenn ein falscher Kontakt eine Linie stoppt oder jemanden verletzt.

  1. Erzeugen: Ein beliebiges Sprachmodell schreibt die Logik aus Ihrer Beschreibung, mit den Variablen, die im Projekt bereits existieren.
  2. Übersetzen: matiec, der offene Compiler für IEC 61131-3, übersetzt das Ergebnis tatsächlich.
  3. Prüfen: iec-checker führt eine statische Analyse durch, dazu kommt eine Prüfung gegen das PLCopen-Schema.
  4. Reparieren: Scheitert ein Schritt, gehen die Fehlermeldungen des Compilers zurück an das Modell, das einen neuen Versuch startet. Sie sehen nur, was alle Prüfungen bestanden hat.

LADX beschreibt die Generierung deshalb als Kreislauf statt als einzelnen Schuss. Genau das macht auch kleine, kostenlose Modelle brauchbar. Als Anbieter wählen Sie selbst: OpenRouter ist voreingestellt, daneben funktionieren Anthropic, OpenAI und jeder OpenAI-kompatible Endpunkt, auch ein lokales Ollama-Modell. LADX hält keinen gemeinsamen Schlüssel und rechnet nichts ab. Programme werden laut LADX als Geschäftsgeheimnis behandelt: verschlüsselt gespeichert, auf das Projekt beschränkt, nie für Training verwendet und mit einer Aktion löschbar.

LADX Chat mit einer Beschreibung der Maschinenfunktion und den daraus erzeugten KOP-Netzwerken auf der Arbeitsfläche
LADX Chat: Generierte Logik erreicht Sie erst, wenn sie übersetzt und geprüft wurde (ladx.ai).

Chat ist eines von zehn Werkzeugen, die auf demselben Projekt arbeiten: Ladder, Chat, Convert, Documents, HMI/SCADA, Knowledge, Monitor, Planner, Projects und CAD. Das Netzwerk, das Sie zeichnen, ist dasselbe, das die KI bearbeitet, das Convert in SCL oder Strukturierten Text schreibt, das Monitor ausführt und das in der Funktionsbeschreibung landet. Eine Übersicht finden Sie auf der LADX-Produktseite.

Was beide Ansätze nicht leisten

Ein Compiler beweist, dass Code gültig ist, nicht dass er richtig ist. Ob eine Verriegelung für die Gefährdung ausreicht, bleibt eine Ingenieurentscheidung. Das gilt für jeden Assistenten. Bei LADX kommen bewusste Grenzen dazu, die Sie kennen sollten:

  • LADX schreibt nie auf eine laufende Steuerung. Das Laden in die Maschine bleibt ein bewusster Schritt eines Ingenieurs mit den passenden Werkzeugen.
  • Herstellerprojekte, etwa ein TIA-Archiv oder eine L5X-Datei, kann LADX noch nicht einlesen. Exportieren kann es heute nach Strukturiertem Text, SCL, Rockwell-Neutraltext und PLCopen XML.
  • Sicherheitsprogramme gehören nicht in einen KI-Kreislauf. Für die Sicherheitssteuerung gelten die Anforderungen der Maschinenverordnung und der EN ISO 13849.
  • Kostenlose Modelle werden vom jeweiligen Anbieter begrenzt. Wartezeiten entstehen dort, nicht bei LADX.

Welche KI passt zu Ihrem Team?

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Beides schließt sich nicht aus. Ein Sondermaschinenbauer kann das TIA Portal mit dem Siemens-Assistenten nutzen und LADX für Funktionsbeschreibungen, Logiktests am Schreibtisch oder die Übertragung einer Bandsteuerung auf eine CODESYS-Steuerung beim Kunden. Wie sich die drei großen Plattformen grundsätzlich unterscheiden, lesen Sie in unserem Vergleich TIA Portal vs. TwinCAT vs. CODESYS.

Beckhoff Embedded-PC der Baureihe CX vor hellem Hintergrund
PC-basierte Steuerungen wie dieser Beckhoff Embedded-PC werden in TwinCAT programmiert, mit eigenem KI-Assistenten des Herstellers.

Wie das in ein Wartens-Projekt passt

LADX ist das KI-Produkt der Wartens-Gruppe für Steuerungsteams. In Deutschland bieten wir kein eigenes KI-Beratungsangebot an, sondern Automatisierungs-Engineering: SPS-, HMI- und Sicherheitssoftware in TIA Portal, TwinCAT oder CODESYS, als Arbeitspaket mit festem Umfang geliefert. Ob Teile davon mit KI-Unterstützung entstehen, ändert nichts an Review, Test und Dokumentation. Wer die Grundlagen der Sprachen auffrischen will, findet sie im Beitrag IEC 61131-3 Programmiersprachen.

Nächster Schritt: Öffnen Sie den kostenlosen Editor auf ladx.ai und lassen Sie sich eine einfache Selbsthaltung erzeugen. Wenn Sie für ein konkretes Projekt Kapazität brauchen, schicken Sie uns Funktionsbeschreibung und E/A-Liste über die Kontaktseite.